Abrechnung - Hintergründe

  • Heilmittelverodnung Nr. 13

Sie kommen als Patient mit Ihrer Heilmittelverordnung (Nr. 13) zu uns in die Praxis. Auf dieser Verordnung hat der Arzt Ihnen eine Ihrer Diagnose entsprechende Behandlung verschrieben. 

 

Die Vorgaben, wie die Verordnung (Rezept) ausgefüllt werden muss, wurde mit den Vertretern der Krankenkassen, den Vertretern der Berufsverbände (in Deutschland derzeit vier!!!) ausgehandelt. 
Leider ist die Praxis oft weniger einfach als die Theorie und dies hat sich in den letzten Jahren auch vielfältig bestätigt.

 

Die immer komplizierter werdenden Rezepte beinhalten eine Menge an Angaben, diese Felder korrekt und vollständig auszufüllen sind für den ausstellenden Arzt verpflichtend.
Der Therapeut hat als letzte Instanz die Prüfpflicht, ob das Rezept korrekt ausgestellt wurde und muss dies dem/der Arzt/Ärztin mitteilen, falls dies nicht so ist und ihn/sie um Änderung der Verodnung bitten.
Die Parameter sind vielfältig, ca. 26 verschiedene Dinge müssen ineinanderpassen um eine korrekte Verodnung in Händen zu halten. Seit Ende 2010 macht dies in unserer Praxis ein Computerprogramm, welches auf "Plausibilität" prüft.
Leider kann das Programm aber nicht alle Parameter prüfen. So sind natürlich auch Fehler vorprogrammiert.

 

Nach Abschluss der Behandlung wird die Verodnung bei unserem Abrechnungszentrum eingereicht. Dieses rechnet dann wiederum mit den Krankenkassen ab. Oft haben die Krankenkassen wiederum Abrechnungszentren, die rein nach Vorgaben der Krankenkasse abrechnet. D.h., dass die Krankenkasse in der Regel nicht oder nur in wenigen Fällen diese Rezepte selber abrechnet. 

Der Weg einer Verordnung vom Arzt über unsere Praxis, zu unserem Abrechnungszentrum, dem Abrechnungszentren der Kassen, bis hin zu Kostenerstattung, ist sehr lang. In der Vergangenheit wurde gemutmaßt, dass der Wert der Verordnung die Bearbeitungskosten weit unterschreitet.
Fehlerhafte Rezepte kann die Krankenkasse einbehalten ohne zu bezahlen. Dies wird der Praxis, nach dem zuvor beschriebenen Abrechnungsmarathon, oft Monate später schriftlich mitgeteilt, das Geld wird dann von der laufenden Rechnung zurückgebucht.

 

Das grundlegende Verhalten der Krankenkasse ist sicherlich verständlich. Aufgrund von gegenseitigen Verträgen werden Parameter ausgehandelt, diese finden dann in der Praxis Anwendung. Jedoch ist es schwerlich verständlich, dass aufgrund einer falschen Buchstabenfolge (siehe Pressemitteilung des IFK), es den Praxen nicht möglich ist, die Korrektur der Verordnung im nachhinein durch den Arzt vornehmen zu lassen.
Letztlich bleibt es unbestritten, dass der Arzt die Behandlung des Patienten VERORDNET hat und die Krankenkasse die Bezahlung verweigert, weil ein bürokratischer Formfehler auf dem Rezept stattfand.

  • Was bringt die Zukunft?

Wir können in Zukunft nur hoffen, dass die Krankenkassen dieses Konzept verlassen und die Erstattungspraxis grundlegend überdenken.  Aufgrund der demografischen Entwicklung werden die Therapien in den nächsten Jahren weiterhin zunehmen. Die Kosten werden, wie in allen anderen Bereichen, steigen. Dies wird dazu führen, dass auf immer mehr Menschen eine immer kleinere Summe pro Person verteilt werden muss. Weiterer Kostendruck wird Folgen, wo und wie dieses Geld eingespart wird, ist bereits heute sichtbar.

 

  • Privatisierung der Therapie?!

Viele Therapeuten wollen heute bereits diese Praktiken der Krankenkasse nicht mehr erdulden und geben Ihre Kassenzulassung zurück oder beantragen erst keine Kassenzulassung bei Praxisgründung und führen eine reine Privat- und Selbstzahlerpraxis. 

Die Nachfrage nach Therapie macht es möglich und die Krankenkasse tragen dazu bei. Nachteilig für Patienten, die ihre Therapie nicht bezahlen können, aber diese Entwicklung kann auch durchaus Vorteile bergen, da es nicht zuletzt den Patienten obliegt zu beurteilen, wieviel ihnen die Behandlung Wert ist. 

Zusätzlich entfallen alle Parameter, wie Rezeptungültigkeit, aufgrund verspäteten Behandlungsbeginns (14 Tage) Unterbrechungsfristen aufgrund von Krankheit, Urlaub etc. (19 Tage).
Zusätzliche Lauferein aufgrund von fehlerhaften, fehlenden Angabe entfallen. Der Patient und der Therapeut allein sind für eine konsequente und sinnvolle Therapie gegenseitig verantwortlich, so wie man meinen sollte, dass es in jedem Sinne ist. 
Eigenverantwortlichkeit der Patienten und Motivation der Therapeuten können ebenso profitieren. Der Anspruch der Patienten auf eine qualitativ hochwertige Behandlung, gut aus- uns speziell weitergebildete Therapeuten wird steigen. 



Sehen sie auf dem folgenden Bild die einzelnen Parameter und lesen Sie dazu die Ausgabe des aktuellen Heilmittelkataloges, der für alle die Vorgaben erläutert.....aber beachten Sie: Nehmen Sie sich Zeit, es ist nicht so einfach!!!

 

Weitere Informationen zur Abrechnung erhalten Sie auch unter folgenden Links:

 

https://www.thieme-connect.de/ejournals/html/10.1055/s-0031-1273178

 

http://www.aok-gesundheitspartner.de/rh/heilberufe/pruefverfahren/index.html

  • Therapie und ihre Grenzen?

Manchmal kommen Patienten und möchten andere Behandlungen erhalten, als auf der Verordnung verschrieben. 
Wir als Praxis dürfen grundsätzlich nur das behandeln und auch abrechnen, was der Arzt auf Ihre Verordnung geschrieben hat. Dieses ist die vom Gesetzgeber vorgegebene Verpflichtung für Heilmittelerbinger.
Seit Anfang des Jahres besteht für uns allerdings eine weitere Möglichkeit:  Sie wünschen eine Behandlung, die bezüglich Dauer und Menge auf Ihre Problematik zugeschnitten ist und nicht an die Verordnungsvorgaben des Heilmittelkataloges gebunden ist. Zusätzlich sind Sie bereit für Ihre Behandlung privat zu bezahlen, dann besteht die Möglichkeit die Behandlung zu erweitern und zu ergänzen. Die Abrechnung erfolgt nach Gebührenordnung für Heilpraktiker ("Sektoraler Heilpraktikter für Physiotherapie"). 
Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten diese Behandlung nicht, jedoch besteht die Möglichkeit die Abrechnung bei einer Zusatzversicherung einzureichen, sofern diese Behandlungen versichert sind.